Geschichten auf der Wanderbank gesammelt„Tankstelle für die Seele“
Die Wanderbank war wieder auf Tour.
Nach einem Stopp am Augsburger Bahnhof stand sie im April in München – direkt vor der Bahnhofsmission an Gleis 11. Ihre Mission: Menschen setzen sich. Kommen ins Gespräch. Erzählen aus ihrem Leben. Und Geschichtensammlerin Christiane Huber hört zu.
Ganz unkompliziert entstanden Begegnungen zwischen Gästen, Reisenden, Wohnungslosen, Gestrandeten und Neugierigen – und Geschichten von Verlust, Hoffnung, Einsamkeit, Humor und dem täglichen Überleben. Christiane Hubers Aufzeichnungen rühren und berühren. Beispielsweise die Worte von B., einer Frau, die seit Jahren ohne feste Wohnung lebt und mit ihrem Deutschlandticket zwischen Städten und Bahnhofsmissionen unterwegs ist. Für sie sind die Bahnhofsmissionen „richtige Oasen“ und eine „Tankstelle für die Seele“ – Orte, an denen „Nächstenliebe spürbar“ werde. Orte, an denen sie Schutz, Ruhe und einfach das findet, was sie selbst „love and care“ nennt.“
Aus einem längeren Gespräch mit B., gekürzt und leicht redaktionell bearbeitet:
„Ich habe den fünften Winter ohne Wohnung hinter mir. Ich kann nur an die nächste Nacht denken. Ich schlafe auf ein Meter auf zwei Meter. Ich mache das schon fünf Winter lang.
Egal, wo man in Deutschland aufschlägt – bei der Bahnhofsmission ist etwas spürbar. Die Bahnhofsmission ist wie eine Oase, weil das so ein christlicher Ort ist, man spürt die Nächstenliebe.
Ich habe dann herausgefunden, dass es Bahnhofsmissionen gibt, die nachts besetzt sind. Als Frau kann ich halt dort klingeln. In Würzburg, in München.
Hier gibt es Schlafplätze nur für Frauen. Aus irgendeinem Grund ist das wichtig.
Der Rahmen. Da fühle ich mich geborgen. Obwohl die Umstände unangenehm sind.
Aber da liegen frische Handtücher auf der Isomatte, umgenäht als Bezug. Auf Englisch wäre das: Love and Care.“
Annette Bieber
