Immer mehr Menschen brauchen Hilfe

Bahnhofsmission München kleinMünchen/Nürnberg. Im Jahr 2025 haben die Bahnhofsmissionen in Bayern über 1 Million Hilfeleistungen erbracht. Insgesamt wurden rund 620.000 Kontakte in zwölf Stationen gezählt – etwa 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, deren Leben häufig von Krankheit, Armut und Einsamkeit geprägt ist. Viele von ihnen sind mehrfach belastet und auf niedrigschwellige Unterstützung angewiesen. Die Helfenden – größtenteils ehrenamtlich – leisten dabei jeden Tag Unglaubliches. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen kontinuierlich. Umso wichtiger ist eine verlässliche Begleitung des Ehrenamts: Es braucht Struktur, Unterstützung und eine professionelle Koordination durch hauptamtliche Mitarbeitende. Lesen Sie im Anschluss unsere komplette Presseinformation zur Statistik 2025.

Die aktuellen Zahlen zeigen: Der Unterstützungsbedarf wächst – und wird zugleich komplexer. Viele Gäste sind mehrfach belastet; ihr Leben ist geprägt von Armut und Mangel, Krankheit und sozialer Isolation. „Immer mehr Menschen sind auf niedrigschwellige Hilfe angewiesen – und die Problemlagen werden vielschichtiger und für viele existenzieller“, sagen Michelle Agler (IN VIA Bayern) und Harald Keiser (Diakonisches Werk Bayern) von der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen im Freistaat.

Gesundheitliche Belastungen hoch
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der gesundheitlichen Situation der Hilfesuchenden. Bayernweit lag der Anteil von Menschen mit psychischen Auffälligkeiten im Jahr 2025 bei rund 23 Prozent; das sind vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Während die Gesamtzahlen stabil erscheinen, hat die Zahl körperlich erkrankter Menschen in einzelnen Bahnhofsmissionen deutlich zugenommen - in Würzburg beispielsweise um 50 Prozent. Das Würzburger Leitungsteam mit Michael Lindner-Jung und Johanna Anken betont: „Viele unserer Gäste sind gesundheitlich stark belastet und gleichzeitig kaum noch an medizinische Versorgung angebunden. Es wird immer schwieriger, passende Hilfe zu organisieren.“
Und die Leiterin der Bahnhofsmission in Nürnberg ergänzt, „Es wird zunehmend sichtbar, wie stark Menschen von Krankheit gezeichnet sind und wie schwierig ihre Lebenssituationen geworden sind“, so Anita Dorsch, „wir versuchen zu helfen, wo wir können. Aber unsere Kapazitäten sind erschöpft.“

Ehrenamtliche tragen die Arbeit
Ein Großteil der täglichen Arbeit in den Bahnhofsmissionen wird von Ehrenamtlichen getragen. Sie leisten täglich schnelle und unbürokratische Hilfe, hören zu, stabilisieren in Krisen und vermitteln in weiterführende Angebote oder unterstützen Reisende am Bahnsteig.
Die Anforderungen steigen dabei weiter: Rund 86 Prozent der Gäste leben in besonders schwierigen Lebenslagen. Entsprechend nehmen auch aufwendige Hilfen wie Weitervermittlungen, materielle Unterstützung und Kriseninterventionen zu. Auch die Nachfrage nach Notverpflegung ist hoch.

Zugleich verändert sich das Ehrenamt selbst: Viele Menschen engagieren sich heute flexibler, kürzer oder projektbezogen. Das erhöht den Aufwand für die Begleitung vor Ort deutlich. „Gerade angesichts der wachsenden Herausforderungen ist es wichtig, eine Überforderung der Mitarbeitenden zu vermeiden. Ehrenamt ist nicht kostenlos – es braucht Zeit, Begleitung und verlässliche Strukturen“, betont Michelle Agler.

Eine fundamentale Rolle spielt dabei die professionelle Ehrenamtskoordination im Hauptamt: Sie gewinnt Freiwillige, organisiert Einarbeitung und Schulungen und ist verlässliche Ansprechstelle im Alltag. Seit 2024 konnten dank der finanziellen Förderung durch den Freistaat Bayern an einigen Standorten entsprechende Stellen geschaffen oder andernorts zusätzliche Stunden bereitgestellt werden. Diese Ansätze zeigen Wirkung, müssen jedoch langfristig gesichert und weiter ausgebaut werden.

„Menschlichkeit gibt Halt“ – Tag der Bahnhofsmission
Auf die Situation machen die Bahnhofsmissionen am 18. April mit dem bundesweiten „Tag der Bahnhofsmission“ aufmerksam. Unter dem Motto „Menschlichkeit gibt Halt“ laden auch bayerische Standorte dazu ein, ihre Arbeit kennenzulernen.
„Gerade angesichts der wachsenden Notlagen zeigt sich, wie wichtig Orte sind, an denen Menschen unkompliziert Hilfe und Zuwendung erfahren“, sagt Harald Keiser von der Diakonie Bayern.
So bittet Passau zu einem offenen Vormittag mit Kaffee und Kuchen, während die Bahnhofsmission in Nürnberg mit einem Infostand im Hauptbahnhof vertreten ist. Die Bahnhofsmission München begeht den Aktionstag eine Woche später am 25. April nachmittags mit Kaffee und Kuchen.
Bereits am 23. und 24. April lädt in München die „Wanderbank“ zur Begegnung an Gleis 11 ein. In Schweinfurt stehen am 28. April eine Spendenaktion und ein ökumenischer Gottesdienst am Bahnsteig im Mittelpunkt. Nähere Informationen gibt es in den Bahnhofsmissionen vor Ort.